Unsere Initiative trifft voll den Nerv

Es hat den Anschein, dass der EMHC-Vorstoß für eine Änderung des viel zu rigiden Führerscheinrechts genau den Nerv vieler Reisemobilisten in ganz Europa getroffen hat. „Es ist längst nicht mehr zeitgemäß, dass der Pkw-Führerschein nur für Fahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen gilt – damit dürfen viele Reisemobile, die etwas mehr auf die Waage bringen, nicht mehr mit dieser Fahrerlaubnis gesteuert werden“, ärgerte sich EMHC-Präsident Rüdiger Zipper. Er beließ es freilich nicht nur bei dieser – ärgerlichen – Erkenntnis, sondern er handelte und rief die Aktion 4,25 ins Leben: Auf dem Caravan-Salon 2011 initiierte der EMHC an seinem Stand eine Unterschriftenaktion, an der sich zahlreiche Messebesucher beteiligten.

„Der EMHC kämpft für Vernunft“, begründet Rüdiger Zipper die Initiative. Denn die 3,5-Tonnen-Regelung, die seit 1999 für die Erwerber eines Pkw-Führerscheins gilt, entspricht nach seiner Auffassung nicht mehr der Wirklichkeit.
Zipper: „Hier hinkt die Gesetzgebung der Realität hinterher. Mit erweiterter Komfortausstattung und den Einrichtungen für mehr Verkehrssicherheit wie etwa größeren Knautschzonen, stärkeren Bremsen, ABS. ESP, stärkeren und umweltfreundlichen Motoren, Partikelfiltern und hinreichender Zuladung ist trotz Leichtbau die 3,5-Tonnen-Grenze bei halbwegs komfortablen Fahrzeugen schnell erreicht. Doch mit dem Führerschein der Klasse B ist bei 3,5 Tonnen Schluss. Die Erweiterung ist auch für junge Leute wichtig, sie müssten für einen 4,2-Tonner den Führerschein C1 machen – eine recht teure Angelegenheit.“
Deshalb hatte sich der EMHC entschlossen, mit einer Unterschriftenaktion für die Ausweitung der Gültigkeit der Fahrerlaubnis B auf 4,25 Tonnen zu kämpfen. Dies ist auch für die Verkehrssicherheit wichtig. Was für Caravan- Gespanne gilt, sollte auch Reisemobile gelten. Denn die Reisemobile sind im Verkehr keinesfalls unsicherer als Gespanne. So fordert der EMHC: Gleiches Recht für alle.
Schon beim Caravan-Salon erhielt der EMHC für diese Initiative viel Unterstützung. Auch die Händlerorganisation DCHV legte an ihrem Stand Unterschriftslisten für die Forderung nach einer Änderung des Führerscheinrechts aus. Zubehörspezialist Goldschmitt schloss sich der Initiative uneingeschränkt an. Für Firmenchef Dieter Goldschmitt ist das eine Herzensangelegenheit: „Wir hoffen, dass die Politik die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung begreift.“ Auch nach dem Caravan-Salon setzt Dieter Goldschmitt die Unterschriftssammlung im Technik-Center in Walldürn unvermindert fort: „Fast jeder unserer Kunden unterstützt die Initiative – das zeigt doch, dass die Forderung, die Gültigkeit des Führerscheins auf 4,25 Tonnen anzuheben, mehr als gerechtfertigt ist.“
Auch die Messe Bexbach und diverse Händler unterstützen die EMHC-Forderung. Inzwischen hat der Vorstoß auch die europäische Ebene erreicht: Willem Herwegen, der Präsident des niederländischen Reisemobilclubs NKC (24.000 Mitglieder!), forciert die Initiative in den Benelux-Staaten nachhaltig. Er hat auch schon andere Reisemobilclubs in Europa angeschrieben und sie zum Mitmachen aufgefordert. „Wir wollen erreichen, dass dieser Vorstoß eine große europäische Initiative wird.“
In Deutschland wehrt sich indessen der Herstellerverband CIVD gegen die Führerscheininitiative. In der jüngsten promobil-Ausgabe sagte dessen Geschäftsführer Hans-Karl Sternberg dazu: „Zur Unzeit vorgebrachte Vorschläge verpuffen ohne Wirkung oder sind sogar kontraproduktiv.“
Der EMHC sieht das als Verbraucherverband gänzlich anders. Sollen wir zu etwas, das wir als Unsinn erkannt haben, weiter schweigen? Nein. Wir bleiben bei dem Thema weiter am Ball. Im Interesse aller Reisemobilisten.

Text: Joachim Sterz